Ab und zu finden wir auf Auktionen gut erhaltene Zigarren aus längst vergangener Zeit. Manche sind Zeitzeugen und können eine Geschichte erzählen. Damit diese Zeugen der Vergangenheit und Ihre Schöpfer nicht im Dunkel der Vergangenheit entschwinden, wollen wir hier die Fundstücke und das Überlieferte hier sammeln.
Wenn Ihr was dazu beitragen könnt, würden wir uns sehr freuen und hier veröffentlichen.

Wir konnten ein Kistchen (Boxing Date 1980) Exquisit Sublimes der Zigarrenfabrik Dingelstädt aus der ehemaligen DDR auftreiben.
1910 hat die Berliner Zigarrenfabrik Neumann in der Dingelstädter Mühle eine Zweigniederlassung errichtet. In den 30er Jahren wurden dort bereits 2.500 Mitarbeiter beschäftigt und war damit das größte Unternehmen der deutschen Tabakindustrie. 1938 wurde das Unternehmen von den Nationalsozialisten „arisiert“ und von der Firma Martin Brinkmann für 1.2 Mio. Mark übernommen, um gleich an die Gildemann Zigarrenfabriken weitergereicht zu werden. Nach dem zweiten Weltkrieg befand sich die Fabrik nun im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands und wurde enteignet und ein Staatsbetrieb.
Es wurden anfänglich inländische Tabake verarbeitet bis Ende der 50er Jahre die Importbeschränkungen aufgehoben wurden. 1961 wurde die Handarbeit aufgegeben und die Zigarren wurden nun größtenteils maschinell gefertigt.

Nach ein paar Tagen im Humidor haben wir uns an die Exquisit Sublimes . Ab 1961 wurden die Zigarren nicht mehr per Hand gerollt, sondern maschinell hergestellt. Unsere Sublimes sind also maschinengerollte Shortfiller, wie man an unserem aufgeschnittenen Exemplar gut erkennen kann. Sie hat ein Ringmaß von 26 und eine Länge von etwas über 13 cm und sie ist boxpressed.
Seit Anfang der 1960er Jahre wurde wieder Tabak von der DDR importiert. Unsere Nachforschungen ergaben, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um brasilianischen Tabak handelt. Das ist aber nur eine Vermutung. Vielleich weiß einer unserer Leser genaueres. Die Zigarre ist fest gerollt, Zug, Abbrand und Rauchentwicklung waren gut. Aromen konnten wir keine mehr erahnen. Es war auf jeden Fall ein fast halbstündiger und vor allem geschichtsträchtiger Smoke

Wir haben einen kleinen historischen Schatz bei Ebay gehoben. Ein Zigarrenbrett aus der bereits 1848 errichteten Zigarrenfabrik Karl Feisst aus Oberschopfheim am Rande des Schwarzwaldes. Als die Fabrik die handwerkliche Zigarrenherstellung zu Gunsten der Maschinenfertigung aufgab, wurden diese Zigarrenbretter nicht mehr benötigt. Ein weiterer Zigarrenfabrikant, die Firma Blauband Zigarren und Stumpenfabriken Frank GmbH & Co. aus dem nahe gelegenen Wattendigen kaufte einen Teil der alten Bretter auf. Er nutzte diese als dekorative Verpackung für seine eigenen Zigarren und vermarktete sie als „echte Antiquität“. Unser Schatz ist gefüllt mit 20 maschinengerollten Shortfillern der Marke „Flor Fina“. Sie haben ein 35er Ringmaß und eine Länge von fast 16 cm. Wer kann uns weitere Informationen zu diesen beiden Zigarrenfabrikanten liefern?

Der Deutsche August (Algos) Suerdick (später Suerdieck) aus Melle in Niederrsachsen wanderte 1888 nach Brasilien aus. Zunächst arbeitete er als Angestellter eines deutschen Tabakhandelsunternehmens in Recôncavo Baiano in der Provinz Bahia. Bereits ein Jahr später gründete er sein eigenes Tabak-Exportunternehmen. 1905 folgte zusammen mit seinem Bruder Ferdinand die erste Zigarrenfabrik in Maragogipe. Aus diesen Anfängen entwickelte sich ihr Unternehmen zu einem der bedeutendsten in der Region. In den 1930er Jahren folgten weitere Fabriken in Cachoeira und Cruz das Almas. August blieb deutscher Staatsbürger.
In Bünde, Westfahlen gründeten Familienangehörige die August Suerdieck Zigarrenfabrik. Diese übernahm auch den Vertrieb der Zigarren aus Mexiko und wurde später von Dannemann übernommen.
Steigende Lohnkosten und die Mechanisierung führten ab den 1960ern zum Schließen kleinerer Standorte. Im Jahr 2000 endete die Ära Suerdieck mit der Schließung der letzten Produktionsstätte.
Unsere Fundstücke haben ein 39er Ringmaß und sind etwas über 15 cm lang. Es sind maschinengerollte Shortfiller mit einer Einlage aus mexikanischen Tabaken. Im Gegensatz zu den handgerollten Premium-Zigarren der Marke waren die “Populares” (wie der auf den Kisten aufgedruckte Name sagt) für die breite Bevölkerung gedacht. Die Deckblätter sind wohl aus der Region, eine ist in ein Maduro Sumatra Deckblatt gerollt. Alle sind einzeln in Holzkisten mit Schiebedeckel verpackt. Produziert wurden sie wohl in der Mexiko, nicht in Bünde, da wir in einer Kiste einen Zettel mit der spanischen Aufschrift “empacado por G.M.” (verpackt von G.M.) gefunden haben.

Wir haben einen historischen Schatz gehoben. Ein Konvolut aus fünf verschiedenen Zigarren aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Die Zigarren tragen allen ein Boxingdate aus den 70er Jahren. Die Originalschachteln sind noch alle verschlossen, mit Steuermarke und im Neuzustand. Sie stammen aus 3 verschiedenen Fabriken: VEB Tabak Nordhausen Werk Dingelstädt, VEB Tabak Nordhausen Werk Treffurt und VEB Leisniger Zigarrenfabriken.
Über die Marken Sublimes, Tabacos Superior (Tadellos), Brasil Record, Jagdkammer Gold und Flor Fina werden wir recherchieren. Da es nur sehr wenig bis gar keine Informationen über die Gründer und Inhaber dieser Fabriken aus der Vorkriegszeit gibt, bitten wir Euch alle um Informationen, solltet Ihr das eine oder andere wissen. Wir werden die Zigarren jetzt für ein paar Wochen im Humidor akklimatisieren und dann natürlich auch probieren.

Unsere erste aus dem ersteigerten Konvolut, es ist die Jagdkammer Gold von den VEB Leisniger Zigarrenfabriken. Diese kleine boxpressed Zigarre hat ein Ringmaß von 38 und eine Länge von nicht ganz 11 cm. Das Boxingdate verrät den Geburtstag — 1978! Wir haben sie zerlegt. Ein mattes, feinadriges Deckblatt, gefolgt von einem dunklen Umblatt. Die Einlage dieses Shortfillers ist auch sehr dunkel. Eine wohl teilweise maschinell hergestellte Zigarre. Es war noch ein süßlicher Kaltgeruch feststellbar. Der Abbrand war bei üppiger Rauchentwicklung tadellos. Aromen konnte ich nicht herausschmecken, unser Mitglied Rijol, der auch eine probierte, meinte typisch brasilianisch: kräftig und würzig. Das würde sich auch mit unserer Recherche decken. Bis Anfang der 60er Jahr wurde ausschließlich einheimischer Tabak verarbeitet. Dann erlaubte und finanzierte das DDR Regime den Import aus Mittel- und Südamerika. Der größte Lieferant war zu der Zeit Brasilien. Unsere Jagdkammer Gold war ein interessanter Ausflug in die Vergangenheit.

Die Zweigniederlassung in Döbeln der VEB Leisinger Zigarrenfabriken stellte unsere Jagdkammer Gold Zigarren in der ehemaligen DDR her. Nur drei Jahre später wurde die Fabrik 1981 nach 130 Jahren stillgelegt. Diese kleinen Shortfiller haben ein Umblatt und ein makelloses Deckblatt wahrscheinlich aus Brasilien. Und ja, man konnte sie noch rauchen! Abbrand und Zugverhalten waren tadellos. Aromen konnten wir allerdings keine mehr erahnen. Ein kurzer milder Smoke. Passend servierte unser Max dazu ein Glas Rotkäppchen Sekt, die Kultmarke aus der ehemaligen DDR.

Auf der Suche nach einem Longfiller aus der Produktion der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik haben wir heute eine Zigarre aus unserem Schatz zerlegt und untersucht. Diesmal waren wir fast sicher, das unsere Flor Fina von den VEB Zigarrenfabriken Dingelstädt uns ans Ziel führt. Hergestellt in den 70er Jahren im Landkreis Eichsfeld in Thüringen zwischen Erfurt und Kassel. Allein die anspruchsvolle Figurado-Form, ähnlich einer Belicosa mit einem Ringmaß von 45 und einer Länge von 17 cm ließ uns hoffen. Leider aber entpuppte sich die Einlage wieder als Shortfiller allerdings immerhin im sogenannten Sandwichverfahren gerollt — also die Shortfiller-Einlage wie bei einem Sandwich umschlossen von zwei größeren Blättern. Wir vermuten, das es bis zum Umblatt eine maschinelle Herstellung war und das Umblatt sowie das sehr dünne Deckblatt von Hand gerollt waren. Gerne wüssten wir mehr über diese Zigarren. Für Informationen sind wir sehr dankbar.


Da haben wir auf einer Auktion ein paar wirklich imposante Zigarren aus der Vergangenheit ergattern können. Hier eine Perfecto mit einem gewaltigen 64er Ringmaß und einer stolzen Länge von 19 cm der Marke Ermuri. Sie liegt einzeln in einer Kunststoffkiste.
Die Marke Ermuri wurde am 22. Juni 1922 als Händlervereinigung und Einkaufskooperative von Carl Erhard (Inhaber der Zigarrenfabrik Erhard in Bad Oeynhausen) , Carl Mugler (Inhaber der Zigarrenfabrik Mugler – später Schultes in Bruchsal) und Ludwig Rinn (Mitinhaber der Zigarrenfabrik Rinn & Cloos in Heuchelheim) in Frankfurt gegründet. Der Markenname ErMuRi ist ein Akronym aus den jeweils ersten Beiden Buchstaben der Nachnamen der Firmengründer.
Ziel der Kooperation war es, einen Gegenpol zu den bestehenden großen Zigarrenmarken seiner Zeit zu schaffen und um kleine Fachhändler im Tabak- und Rauchwaren-Geschäft zu unterstützen. Im Jahr 1965 wurde dann die ERMURI Einkaufsgenossenschaft für den Handel gegründet, die seit 2011 ERMURI Genuss Company eG heißt.
Obwohl Ermuri nicht zu den globalen Premium-Zigarrenmarken gehörte, fand man Ermuri-Zigarren bei vielen Tabakhändlern oft als Teil der eigenen Hausmarke oder als solide Alltagsgenuss-Zigarren mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wir haben bei Ermuri in Detmold nachgefragt, ob es noch Informationen zu unserer Zigarre gibt. Wie vermutet, gibt es bei Ermuri keine Unterlagen mehr aus der Zeit. Aber die aktuelle Vertriebsleitung hatte die Vermutung, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit eine Zigarre aus der Produktion von Rinn & Closs aus Heuchelheim oder von Haas & Derst aus Lampertheim handelt. Beide Fabriken hatte diese Formate im Produktionsporfolio. Das Deckblatt könnte ein Sumatra sein.
Wir datieren unsere Zigarre in die 1980er Jahre. Wir werden das gute Stück erstmal ein paar Wochen langsam konditionieren bzw. rehydrieren. Dann werden wir entscheiden, ob wir sie anzünden. Es ist eigentlich zu schade, dieses historische, wirklich schöne und imposante Stück in Rauch aufgehen zu lassen, aber vielleicht überwiegt unsere Neugierde 😉
